So klingt Altruismus

in Trin, Schweiz

Edi Bonorand ist die Selbstlosigkeit in Person. Ob früher als Berufsberater oder heute als Klangtherapeut und Sterbebegleiter: Der 66-Jährige stellt immer die anderen in den Vordergrund. Das ist faszinierend, herzlich und erfrischend. Ein Portrait für Augen, Ohren und Seele.

Kurzprotokoll zum Nachlesen: 

00‘35‘‘

Edi Bonorand ist 66 Jahre alt, Ur-Trinser, ehemaliger Berufsberater. Heute arbeitet er als Klangtherapeut und Sterbebegleiter.

02‘59‘‘

Es ist faszinierend, wie sich Edi jeden Tag aufs Neue über die Umgebung freut. Obwohl er schon sein ganzes Leben in Trin wohnt.

«Ich bin hier geboren und aufgewachsen – im selben Haus, in dem ich heute noch wohne.» – «Was ist es, das dich dein Leben lang in diesem Dorf behält?» – «Ich weiss es eigentlich nicht. Es ist diese Vertrautheit – aber es hat sich auch so ergeben. Ich war bloss ein einziges Mal für ein halbes Jahr in Neuseeland. Aber das ist alles. Und die Rekrutenschule. Die Rekrutenschule in Lausanne. Damals war das weit, bis nach Lausanne zu fahren.»

05‘11‘‘

«Antworten auf Fragen kann ich da erwarten, wenn ich so [in der Natur] unterwegs bin. Es ist nicht immer so, dass ich sofort eine Antwort [auf eine Frage] habe. Warum muss das jetzt so sein? Was kann ich hier noch anders machen oder besser machen? Und dann komme ich nach Hause und es ergibt sich einfach.»

06‘47‘‘

«Wir wurden so erzogen, dass eigentlich immer der Nächste, also das vis-à-vis, den Vortritt hat und du dich selber zurückhältst. Du bist da für die anderen Leute. […] Ich habe auch meine Schlüsse [daraus] gezogen, aber ich komme immer wieder darauf zurück, und weil ich eben immer wieder Energie kriege aus dieser Quelle, aus der ich schöpfen kann, bin ich eben wirklich nur der Brunnen, und das passt zu mir. Ich möchte es gar nicht anders.»

10‘46‘‘

Rita über Edi: «Er ist wirklich ein einfühlsamer Therapeut, den ich wirklich jedem empfehlen kann, der einem wirklich wieder Energie auftanken kann. Und mit diesen Klängen kann er wirklich viel geben, und man kann auch alte Sachen, Geschichten auflösen durch diese Klänge.»

16‘36‘‘

Meine Kollegin, die fotografiert, Céline Werdelis, und ich – wir dürfen uns einfach [zum Mittagessen] dazusetzen, wie wenn wir uns alle schon lange kennen würden. Bei Familie Bonorand zuhause geht alles sehr unkompliziert.

18‘24‘‘

«Es [die Sterbebegleitung] wird mir nicht zu viel, weil ich immer mich selbst bleiben kann. Ich muss diesen Leuten nichts vorspielen. Und ich komme auch dort in der Kraft hin, die ich empfangen kann, und das, denke ich, spüren die Leute irgendwo.»

21‘22‘‘

«Ich war auch schon einkaufen, mitten in der Nacht, mit den Leuten. Also, „einkaufen“ – ich habe sie einfach in den Arm genommen, und dann sind wir umhergelaufen, raus in den [Krankenhaus-]Flur und wieder zurück. Und die Schwestern, die dort sind und von einem Zimmer zum nächsten rennen, die freuen sich, weil zu dieser Person müssen sie nicht schauen, das mache ja ich.»

27‘22‘‘

Corina, die Schwester von Edi, nach anderthalb Stunden Klangtherapie: «Ich fühle mich sehr, sehr wohl, und so leicht. Ich habe gesagt, ich könnte davonfliegen. Ich habe eine innere Ruhe gekriegt und doch habe ich Energie. Eben, ich könnte so gut ins Bett gehen, mit einem Buch, so wohlig, weil ich diese Ruhe habe. Aber andererseits fühle ich mich auch so energetisch aufgeladen.»

32‘23‘‘

Edi über Momente, in denen er trotz aller Selbstlosigkeit mal an sich selbst denken muss: «Wenn ich das weiterhin machen will, und langfristig, dann weiss ich: Da sind die Grenzen, und ich will diese Grenzen auch befolgen. Ich will auch für spätere Situationen da sein. Und ich weiss auch, dass es noch mehr Leute gibt, die das auch machen können, und genauso gut wie ich. Deshalb muss ich da nicht zwingend unbedingt dabei sein.»

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