Ein sonderbarer Flecken Erde

Ein bunter Hügel, ein See des Todes, eine illegale Stadt und ein Rückzugsort für Künstler: Portrait einer äusserst ungewöhnlichen Gegend im Süden Kaliforniens.

Der Ort Niland weckt nicht viel in einem, ausser vielleicht einem doofen Witz: Niland, das ist wie die Abkürzung von Niemandsland. Die traurige Wahrheit ist, genau so fühlt es sich an. Heruntergekommene Hütten, vom Wüstenklima gezeichnete Vorgärten, seit Jahren geschlossene Shops, fast keine Menschen. Niland ist nur Teil dieser Geschichte, weil man hier den Freeway 111 verlässt, um zum Salvation Mountain zu gelangen.

Der See glitzert schon von weitem über die Sträucher und Steine der Sonora-Wüste. Im Hintergrund erhebt sich eine Bergkette mit dem hübschen Namen Chocolate Mountains. Die Strassen verlaufen schnurgerade durch die Landwirtschaftszonen. Wer es nicht besser weiss, fährt weiter, ohne zu bemerken, wie aussergewöhnlich dieser Ort ist. Wir befinden uns in der grössten Wüste Kaliforniens, zu unserer linken der grösste See des Staates, der Salton Sea.

Salvation Mountain

Der Name Salvation Mountain lässt Grosses vermuten, doch kaum angekommen, fühlt sich sogar das Wort Hügel zu gross an. Die Enttäuschung währt nur kurz, denn dieser Mini-Hügel ist aussergewöhnlich bunt. Die meisten dürften ihn aus dem Sean-Penn-Film «Into the Wild» kennen. «God is Love» steht in grossen Lettern über einem Herz, das verkündet: «Jesus I’m a sinner, please come upon my body, and into my heart.» Das sind die Worte, die dem damals 35-jährigen Künstler Leonard Knight an einem normalen Mittwochvormittag aus dem Nichts in den Kopf schossen. Seitdem sah er es als seine Mission an, diese Worte in die Welt hinauszutragen. Ein Heissluftballon sollte ihm dabei helfen. Also betete er für einen. Nach zehn Jahren des Betens musste er einsehen, dass er seinen Ballon selbst herzustellen hatte. Also begann er, einen zu nähen. Es soll ein wunderschönes Stück Patchwork gewesen sein, aber der Ballon flog nicht.

1974 kam Leonard Knight zum ersten Mal nach Slab City. Er zog wegen der warmen Temperaturen dorthin, lebte wie alle anderen hier in einem Van und unternahm noch einige vergebliche Versuche mit dem hoffnungslosen Ballon. Als er realisierte, dass er seine Nachricht an die Menschheit auch nach 14 Jahren noch nicht verkündet hatte, war er enttäuscht und wollte Slab City verlassen. Ein «kleines Statement» in Form eines Schriftzuges wollte er aber noch hinterlassen. Später wird er sagen: «Ich wollte eine Woche bleiben. Es wurde eine sehr gute Woche.» Aus dieser Woche wurden Monate und Jahre. Aus Zement und Farbe erbaute Leonard Knight die erste Version des Salvation Mountain, welche nach etwa vier Jahren in sich zusammenbrach. Für den Künstler mit dem unerschütterlichen Glauben kein Grund, aufzuhören. Im Gegenteil: Er dankte dem Herrn, weil er ihm gezeigt hatte, dass der Hügel nicht sicher ist und versprach, es beim zweiten Mal klüger anzustellen.

Leonard Knight hat bis zu seinem Tod im Jahr 2014 unermüdlich an seinem Berg gearbeitet, ihn stets vergrössert und sogar Untergrundräumlichkeiten gebaut. Die Farben und Materialien dafür wurden ihm von tausenden von Menschen geschenkt. Es ist ein buntes Labyrinth, das man nie ganz gesehen haben kann. Die Liebe ist zweifelsohne spürbar. Ob sie von Gott und seinem Sohn kommt oder von derjenigen, die Leonard Knight über die Jahrzehnte hier eingearbeitet hat, kann jeder für sich entscheiden.

Das klingt nun alles sehr friedlich und freundlich. Salvation Mountain wird von der Slab-City-Community und durch Spenden in Stand gehalten. Der Staat will ihn seit 2002  auch nicht mehr dem Boden gleich machen, weil er ein «giftiger Albtraum» sei. Und wie der Künstler es sich immer gewünscht hat, reisen heute viele Menschen täglich zu seinem Hügel der Liebe. Da sind solche, die sich behutsam um die Installation bewegen, achtsam die Inschriften lesen und die Energie des Ortes für sich wirken lassen. Und dann gibt es jene, die über das Kunstwerk klettern, als wäre es ein Spielplatz, Selfie hier Selfie dort. Wer weiss, was Leonard Knight dazu gesagt hätte, aber der Typ, der das Kunstwerk gerade hütet, findet es gar nicht lustig. Er scheucht er die beiden jungen Frauen vom Hügel: «You can go home now - Ihr könnt jetzt nach Hause gehen!» Sie hüpfen kichernd zurück in ihr gemietetes Mustang-Cabriolet und sausen davon. «Respektlos, diese Leute! Als könnten sie nicht lesen. Und dann klettern sie mitten über das Herz. Weisst du, dass mit dem Herz alles angefangen hat? Die können doch nicht einfach über das Herz gehen! Und dann kichern sie mich auch noch so blöd an.» Diese Art von Besuchern prallt von Salvation Mountain wieder ab in Richtung Niland - oder vielmehr Los Angeles und San Diego. Weiter fahren nur die wenigsten.

Slab City

Viele Politiker wollten Slab City in der Vergangenheit schliessen. Geschafft hat es niemand. Nur die Betonplatten (slabs) zeugen davon, dass es hier mal etwas anderes gab als Dutzende - im Winter Tausende - von Wohnmobilen: eine Militärbasis im Zweiten Weltkrieg. Nach 1965 beanspruchten jene Leute das Land für sich, die nichts haben ausser ihrem Camper. Doch Slab City ist mehr als ein illegaler Campingplatz. Es ist ein Ort von Aussteigern und Ausgestossenen, von Künstlern und Veteranen, von Gemeinschaft und Einsamkeit gleichsam.

Einige hundert Meter hinter Salvation Mountain steht ein kleines militärisches Kontrollhaus. Darin sitzt natürlich seit Jahrzehnten keiner mehr, aber Leonard Knight hat Blumenranken und Vögel aufgemalt und die Aufschrift: Slab City. WELCOME.

Ganz willkommen fühlt man sich jedoch nicht, wenn man hier im Schritttempo (Hunde!) durchfährt. Links und rechts stehen grüppchenweise alte und sehr alte Wohnmobile. An einem Baum hängen an die hundert Paar Schuhe. Selten ist überhaupt ein Mensch zu sehen. Es fühlt sich an, wie wenn man jemanden besuchen will und die Tür offen steht, aber es ist keiner da. Was macht man in so einem Moment? Hallo rufen? Leise eintreten? Umdrehen und nach Hause gehen? Wir entscheiden uns, langsam und freundlich einzutreten, denn wir haben ein Ziel am Ende der Camperstadt.

Man weiss gar nicht, wo man hinschauen soll, von beiden Seiten werden die Augen angezogen. Rechts steht eine grosse Bühne mit über zwanzig Sofas, hier gibt es samstags Live-Musik. Diese werde auch immer besser, seit die Stadt mehr Menschen anziehe, erzählt Tony. Er ist offensichtlich froh, wenn er jemanden zum reden findet und rennt sofort aus seiner selbstgebauten Hütte, wenn ein Auto daran vorbeifährt. Seit zwanzig Monaten lebt er, ein gutaussehender Mann, vielleicht 50 Jahre alt, grossgewachsen, dunkelgraue Locken bis zu den Schultern, in den Slabs. Der Hut auf seinem Kopf beherbergt etwa fünfzig Pins, Ohrringe und Kleinkram, den er irgendwie befestigen konnte. Zu viel für das Auge und doch kann man nicht wegschauen. Der Akzent verrät seine Herkunft: Puerto Rico. Damit ist er US-Amerikaner, gut genug, um im Golfkrieg eingezogen zu werden. Danach ist er arbeitsunfähig. Seitdem erhält er eine Rente vom Staat «Als ich danach in verschiedenen Bundesstaaten unterwegs war, sagte man mir, das Geld sei nicht für Ferien gedacht, ich dürfe Kalifornien nicht für längere Zeit verlassen. Ich fühlte mich wie eingesperrt!» Als sein Van bei einem Besuch in Slab City den Geist aufgibt, beschliesst er, hier zu bleiben. «Es ist nicht viel Geld, das sie mir geben. Dort draussen hätte ich nichts, hier habe ich wenigstens mein Haus.» Sein Haus, das ist ein Wohnwagen, der durch Holzkonstruktionen vergrössert wurde. Tony schläft auf seinem selbstgezimmerten Bett unter freiem Himmel, weil es hier ohnehin fast nie regnet. Auf jeder Oberfläche türmen sich kleine Puppen, Spielzeuge und Figuren. Jedes einzelne wäre Abfall, aber zusammen ergeben sie ein Kunstwerk von einer guten Stube.

Wie lebt es sich in den Slabs? Tony reisst die Augen auf und zieht das Wort lang: «Ruuuhig». Wir horchen. Es ist wirklich sehr, sehr still hier draussen. Jetzt, im Oktober leben etwa 300 Menschen in Slab City. In den Wintermonaten dürften es mehrere Tausend sein. Sie alle leben während des unsäglich heissen Sommers in den nördlicheren Staaten und kommen zum Überwintern zurück. In den USA nennt man diese Menschen snowbirds, Schneevögel.

Tony redet und redet. Über die letzten Gerüchte aus der Stadt («Die da hinten ist glaube ich schon wieder schwanger»), seine Nachbarn («Am Anfang habe ich ihm immer Gras gegeben, aber es ist nie etwas zurückgekommen, darum habe ich aufgehört»), die Gesellschaft («Was soll ich dort? Hier bin ich frei»), das Wetter («Das jetzt ist doch nicht heiss! Was haben wir, 105 Grad? 130 Grad ist heiss!») oder über Bombay Beach am Saltonsee («Ich war selbst noch nie da, aber alle sagen es sei so crazy»). Auch wenn er sich selbst Crazy Vet («Vet steht aber nicht für Veterinärmediziner!») nennt, verrückt ist Tony nicht. Er ist ein interessierter und herzlicher Mensch, der etwas zu laut spricht und sich freut, wenn er besucht wird. Das Gefühl, in einem leeren und fremden Haus zu stehen, hat er uns erfolgreich genommen und wir fahren einige hundert Meter weiter zu unserem eigentlichen Ziel.

East Jesus

Jesus lebt in Salvation Mountain, nicht hier. East Jesus ist nichts weiteres als ein mittelamerikanischer Ausdruck für «am Arsch der Welt». Kurz vor der Siedlung steht noch ein Schild, das in Richtung West Satan zeigt, welches es nicht wirklich gibt. East Jesus hat, im Gegensatz zum Rest von Slab City, Konzept. Von seinen artistischen Bewohnern wird der Ort als experimentelles, bewohnbares, sich entwickelndes und erweiterbares Kunstwerk beschrieben. Als Charles Steven Russel 2006 zum ersten Mal zum heutigen Standort kam, war er die Müllhalde von Slab City. Anstatt sich angewidert umzudrehen und wegzugehen, hatte Charlie eine Vision. Denn für ihn war das keine Müllhalde, es war das Rohmaterial für Kunst.

Upcycling statt Recycling, das ist eines der Prinzipien von East Jesus. Alles kann weiterverwertet und zu etwas Besserem gemacht werden. Auch menschliche Ausscheidungen, die hier kompostiert werden. Herzstück des Geländes ist der Sculpture Garden. Auf der Fläche eines Tennisplatzes ragen Upcycling-Kunstwerke aller Art, Grösse und Bemühungen aus dem Wüstenboden. Da ist eine Bowlingbahn, ein Turm aus mehreren Tausend Einzelteilen, eine 30 Meter lange Wand aus alten Flaschen. Mehrere Autos, so detailreich verziert, man könnte Stunden verbringen, sie zu betrachten. Menschen gibt es hier nicht zu sehen, nur ihre Kunst. Die Künstler halten sich im hinteren Teil auf, den Besucher nicht betreten dürfen. «Residents only» steht auf grossen Schildern. 

Wer einen Blick riskiert, sieht noch mehr Installationen. Ein Schulbus, halb im Sand eingegraben. Riesige Graffitis von hübschen und unrealistischen Frauengesichtern. Und dazwischen ein Herr ohne Shirt, dafür mit langem weissen Bart. Er will vorbeihuschen, aber wir können Aufmerksamkeit erregen.

East Jesus lebt von sogenannten «Artists in Residence». Also Künstlern, die für eine gewisse Zeit dort leben und arbeiten. Hier, so Charlies Vision, sollen Künstler frei arbeiten können - ohne Angst vor Fehlern. Und Künstlerinnen ohne Angst davor, nicht ernst genommen zu werden. Die Community nimmt zudem gegen Spende Menschen für eine oder mehrere Nächte auf, wenn sie sich selbst verpflegen können, sich anmelden und gegebenenfalls mithelfen. Wir werden erwartet, darum spurtet der Herr mit Bart in beachtlichem Tempo zum Eingangstor und öffnet es für uns.

Kamp Kaos steht, in eine bunte Holztafel gefräst, vor unserer Unterkunft für die Nacht. «Dieses Camp wurde für einen VW-Bus gebaut, das ist perfekt für euch», sagt er und rennt eilig wieder davon. Vielleicht hatten wir den Künstler beim Küssen mit der Muse gestört, wer weiss. Kamp Kaos ist eine Holzkonstruktion von etwa 50 Quadratmetern Fläche. Unser VW-Bus passt tatsächlich perfekt in den Unterstand. Hintenraus befindet sich nichts, ausser die Wüste und die Chocolate Mountains. Darin, ein richtiges kleines Haus: Sofas, Sitzecken, eine Spüle mit Seifenhalter, schattenspendende Fischnetze und Stoffbahnen. Der Erbauer von Kamp Kaos hat versteckt einen kleinen goldenen Rahmen aufgehängt:

Irgendwo plärrt ein Transistorradio einen Beatles-Song in die Wüste. Das Radio gehört Bob und seinem Sohn Richard. Die beiden kommen seit Jahren nach East Jesus, denn Richard hat seine künstlerische Berufung darin gefunden, Windräder herzustellen. Letzte Woche habe der Wind allerdings ausgesprochen kräftig geweht, weswegen einige kaputt gegangen seien. Um diese zu reparieren seien sie spontan für einige Tage da. Ihr Camper steht neben einer Installation, die dem Burning Man nachempfunden ist.

Ein Spaziergang durch den bewohnten Teil von East Jesus enthüllt schnell: Sehr bewohnt ist der Ort zur Zeit nicht. Irgendwann rennt ein weiterer Herr mit weissem Bart - dieser hier mit Pulli - an Kamp Kaos vorbei. Unten im Flussbett findet er, wonach er gesucht hat: «Ich wusste doch, dass mein Kissen hier irgendwo liegt.» Brian ist gerade 60 geworden. Auch wenn man das nicht glauben will, wenn er im Lotussitz auf dem Boden Platz nimmt.

«Wenn du 60 bist, musst du dir Gedanken über den Tod machen. Ich glaube ich habe meinen Ort zum Sterben gefunden. Ich werde in East Jesus von der Erde gehen.»

Abstrakte Malerei ist sein Spezialgebiet, aber manchmal erhält er Aufträge für Familienportraits und dergleichen, das mache er dann schon, gibt schliesslich gutes Geld. Im Januar ist er zum ersten Mal nach East Jesus gekommen und muss ab und zu wegen Aufträgen oder Medikamenten die 200 Meilen zurück nach Laguna Beach reisen. Hier in East Jesus kann sich Brian aber ganz seiner Kunst widmen. Gegessen wird in der Gemeinschaftsküche. Wenn er allein sein will, dann ist er es, wenn nicht, dann muss er es nicht sein. Wie lange Brian hier sein will? «Wenn du 60 bist, musst du dir Gedanken über den Tod machen. Ich glaube ich habe meinen Ort zum Sterben gefunden. Ich werde in East Jesus von der Erde gehen.»

Brian verabschiedet sich in die Nacht, nach fast zwei Stunden war ihm dann doch das Bein eingeschlafen. Vor seinem Abgang aber berichtet auch er vom Salton Sea: «Es ist einer der schrecklichsten Orte der Welt.» Als in der Nacht die Jets von der nahen Militärbasis über Slab City donnern, ist das Ziel des nächsten Tages schon lange klar: Bombay Beach am Salton Sea.

Bombay Beach, Salton Sea

Zurück nach Niland und genau 17 Meilen auf der 111 weiterfahren. Auf dem Weg kontrollieren grimmige Zollbeamte die Pässe der Durchfahrenden. Mexiko ist nicht weit von hier. Aber nur auf dem Weg hoch, zurück nicht, natürlich. Welcome to Bombay Beach steht auf einem zu grossen, vergilbten Schild, daneben eine Palme, die sich nicht unterkriegen lässt. Vom Freeway sieht alles einigermassen normal aus. Die Häuser sind vielleicht nicht die neusten, aber der See glitzert immer noch so schön wie am Tag zuvor.

Bombay Beach ist ein Ort für vielleicht 1000 Einwohner. Bei der letzten Zählung vor drei Jahren waren es noch 300. Bombay Beach ist so gut wie verlassen, eine Geisterstadt. Bei manchen Häusern lassen sich die Vorgärten nicht mehr von der Veranda unterscheiden. Kinderspielzeug liegt verstreut herum. Autos wurden seit Jahren nicht mehr bewegt. Teilweise stehen noch neuere Wohnwagen herum, aber wo die herkommen, weiss niemand. Kein Mensch ist zu sehen, in keiner Quer- und auch in keiner der Längsstrassen. Richtig unheimlich wird es allerdings erst am See.

Den grössten See Kaliforniens sollte es eigentlich gar nicht geben. Er war ein Unfall. Ein Beweis, dass sich die Natur nicht kontrollieren lässt. 1905 ging dem Tal das Wasser aus. Einer hatte die glorreiche Idee, einen Teil des Colorado-Flusses umzulenken. Aufgrund massiver Regenfälle trat der Kanal aber über die Ufer und überschwemmte das ganze Tal für über zwei lange Jahre. Das Wasser sammelte sich im tiefsten Punkt des Tals, der Salton-Senke auf -72 Metern. Der Ort Salton versank.

Schnell absorbierte der See das Salz aus dem Boden, sodass er salziger wurde als der Ozean. Zwei Zuflüsse sorgen für einen mehr oder weniger konstanten Wasserstand. Einer davon ist der New River, der am stärksten verschmutzte Fluss der USA. Abwasser von Mensch, Landwirtschaft, Chemie und Industrie sind verantwortlich für diesen unpopulären Titel. Das Problem dabei: Der Salton Sea verfügt über keinen Abfluss. Das heisst, alles was reingeht, kann nicht mehr raus. Und das seit Jahrzehnten.

In den 1960er-Jahren hat der Staat versucht, Tourismus in die Region zu bringen. Was daraus wurde, kann man in Bombay Beach sehen: nichts. Im Gegenteil, es ist ein Unort. Das wird spätestens am Strand klar. Das Wasser glitzert noch immer unschuldig, der Sand ist weiss. Der vermeintliche Sand. Brian hatte uns zum Glück vorgewarnt, sonst wären wir mit Sicherheit barfuss darin spazieren gegangen. Das Weisse, das wie Sand aussieht, ist der Tod. Der Salton Sea hat seine Fische vergiftet, zu Zehntausenden. Überall liegen sie vertrocknet und mit hohlen Augen auf ihren Verwandten, die sich bereits vor ihnen zersetzt haben. Der Anblick ist grotesk. Jetzt ergibt auch der Geruch einen Sinn: süsslich und leicht fischig. Man will sich gar nicht vorstellen, was sich die Vögel antun, die gerade im Wasser gelandet sind.

Das Wort, das nach dem Besuch von Salvation Mountain, Slab City, East Jesus und Bombay Beach bleibt, ist: sonderbar. All diese Orte sind auf ihre Art und Weise äusserst sonderbar. Wie wenn sie erfunden wären. Nicht ganz real. Aber auch nicht so abstrus, dass man gar keinen Bezug dazu aufbauen könnte. Ob die Menschen ein anderes Bild des goldenen Staates hätten, wenn sie diese Seite Kaliforniens kennen würden?