Medienpartner der ZHAW

Jeweils im Herbstsemester im letzten Jahr des BA-Studiums in Journalismus haben die Studierenden des IAM (Institut für Angewandte Medienwissenschaft) eine Werkstatt, in welcher sie journalistische Produkte umsetzen.

One Day Portray ist Medienpartner dieser Werkstatt. Die Studierenden dürfen selber entscheiden, was sie produzieren möchten und für welches Zielmedium. Es würde uns natürlich sehr freuen, ein Portrait von einem angehenden Journalisten, einer angehenden Journalistin auf onedayportray.com zu publizieren!

Wir selber (Gabriella und Laura) haben unsere Grundausbildung am IAM, ZHAW absolviert und wissen, wie wertvoll es ist, schon während dem Studium Geschichten publizieren zu können.


Aber nicht nur die Studenten und Studentinnen des IAM dürfen bei 1DP mitgestalten: Möchtest auch du ein Portrait auf 1DP veröffentlichen? Dann melde dich bei uns: hello@onedayportray.com für Details. Einzige Rahmenbedingung: Als Autor begleitest du den/die Protagonist/in einen Tag (oder eine Nacht) lang und erlebst den Alltag dieser Person mit. Das Resultat? Ein «Reportage-Portrait»!

Wir freuen uns über jeden Mitstreiter und über jedes One Day Portray!

Ein Jahr onedayportray.com - in Zahlen

Zahlen bedeuten uns nicht sehr viel und doch sind sie wichtige Indikatoren - wenn richtig gelesen und verstanden. Unser Magazin ist nun schon ein Jahr online und wir haben einen Blick in unser Google-Analytics Konto geworfen.

Eines vorweg: In den letzten Wochen und Monaten waren wir nicht sehr aktiv, was neue Publikationen angeht, das wirkt sich natürlich sehr deutlich auf die Gesamtwertung dieser Daten von über einem Jahr aus - aber davon lassen wir uns die Miene nicht verderben. Wir sind stolz darauf, was wir bis jetzt erreicht haben und freuen uns auf die Zahlen in einem Jahr! ;)

Die aufgeführten Zahlen zeigen die Daten im Zeitraum vom 10.10.2015 bis zum 10.10.2016. Was uns besonders freut, ist die Tatsache, dass schon aus fast jedem Land jemand auf unsere Homepage geklickt hat! Die meisten Leser haben wir aber deutlich in der Schweiz, was nicht weiter überraschend ist. Ausserdem wurde das One Night Portray von Yllnora Semsedini am häufigsten angeklickt gefolgt von den drei Portraits über Laura Schälchli, Jens Jung und Manu Chao. Auch hier muss man natürlich den Kontext sehen, dass das alles Portraits sind, die seit Beginn online sind. 

Spannend, aber nicht weiter verwunderlich ist auch, dass wir am meisten Besucher via «Social» oder «Referral» auf der Homepage haben. Aber auch «Direkt» und die «Organische Suche» schneiden gar nicht so schlecht ab.

Wir freuen uns auf ein weiteres Jahr onedayportray.com!


Jahr II. Kapitel I: Goodbye Gabriella

Vor wenigen Stunden habe ich heute früh Gabriella am Flughafen in Zürich verabschiedet. Und es war ein Abschied für eine unbestimmte Dauer. Zusammen mit ihrem Freund kehrt sie der Schweiz den Rücken zu und macht sich auf eine grosse Reise. Wohin die Reise überall hin führen wird, ist noch ungewiss. Hinter dem Steuer ihres geliebten VW-Busses werden sie die Welt entdecken. Wie lange diese Reise dauern wird, steht noch in den Sternen. Geplant war einmal ein Jahr. Aus einem wurden zwei und wer weiss, vielleicht werden es sogar drei.

Aber Zeit und Zahlen sind mir ohnehin nicht sonderlich wichtig. Was zählt, ist das Leben und die Freude am Leben. Indem ich Gabs auf unbestimmte Zeit ziehen lasse, weiss ich, dass sie glücklich ist. Und wenn sie glücklich ist, bin ich es auch. 

Für One Day Portray ist das einmal mehr eine riesige Chance unserer Vision ein Stück näher zu kommen: Portraits aus aller Welt von Autoren aus aller Welt. Wir stehen noch ganz am Anfang und haben noch Grosses vor! Von unterwegs aus wird uns Gabriella Geschichten erzählen und Portraits schicken - ich kann es kaum erwarten, von ihren Abenteuern und Begegnungen zu hören und lesen.

Meine Liebe, ich danke dir an dieser Stelle von ganzem Herzen für alles, was wir im vergangenen Jahr zusammen erlebt und erreicht haben. Und noch mehr freue ich mich auf alles, was noch vor uns liegt.

Bon voyage and take care my love!
Bis bald - wo auch immer auf dieser Welt das sein wird.


(photo by Saskia Widmer)

::

Kennst du jemanden zwischen Seattle und Argentinien der/die portraitiert werden sollte? Dann melde dich doch bei uns (hello@onedayportray.com) und Gabs wird quasi als «Flying Reporter» vorbeischauen und uns ein One Day Portray schenken!


1 Jahr nach dem Crowdfunding

Wow! Es ist schon ein ganzes Jahr her, seit wir unser Crowdfunding erfolgreich beendet haben. Am 4. Juni um 16 Uhr, um genau zu sein. Dank euch konnten wir One Day Portray mit 22'000.- starten!

Danke allen für die Unterstützung! Und auf viele weitere Jahre!



Gedanken vor der grossen Reise

In den letzten Wochen musste ich immer wieder daran denken, wie schnell und doch unglaublich ereignisreich das letzte Jahr vergangen ist. Wenn ich an die Gabriella von damals denke, habe ich nicht das Gefühl, anders zu sein als damals. Und dann stelle ich unser altes und neues Pressefoto nebeneinander; das sind doch zwei verschiedene Menschen! Nicht nur äusserlich, auch im Inneren ist so vieles passiert! One Day Portray, die Yogalehrerausbildung, eine grosse Reise planen – all diese Dinge standen vor einem Jahr noch auf Feld eins. Und jetzt gehört alles zu meinem Leben, als wäre es schon immer da gewesen.

Diese Mini-Redaktion von One Day Portray wächst und gedeiht – und mit jedem Text lernen wir Neues dazu. Jedes Mal, wenn Laura und ich uns treffen, tauschen wir uns zuerst lange darüber aus, was wieder Tolles passiert ist; wenn Menschen ein Portrait toll fanden, ein Kompliment ausgesprochen haben oder gar eines schreiben wollen. Ich bin sehr dankbar dafür: für die Stunden voller Dankbarkeit mit Laura und für Laura selbst!

Für mich geht Mitte Juli ein weiteres grosses Abenteuer an den Start. Gemeinsam mit meinem Freund starten wir in Seattle einen ziemlich langen Roadtrip in Richtung Südamerika. Der Job ist gekündigt und die Wohnung auch. Und am meisten freue ich mich darauf, endlich richtig Zeit für One Day Portray zu haben! Nicht nur um Portraits zu schreiben, sondern auch um das Projekt an sich nach vorne zu treiben. Denn man kann immer mehr machen! Das Internet macht das zum Glück möglich.

Solltest du also jemanden irgendwo zwischen Seattle und Feuerland kennen, den man portraitieren solle, dann melde dich bitte bei mir! gabriella@onedayportray.com

Vor genau einem Jahr...

...fiel der Startschuss für One Day Portray. Um genau zu sein für die Crowdfunding Kampagne, die uns ermöglichte, One Day Portray aufzubauen. Grundsätzlich sind wir der Meinung, man sollte immer nach vorne schauen, aber manchmal muss man auch einen Blick zurück wagen. Dann nämlich, wenn das Vergangene ein Sammelsurium von unvergesslichen Momenten und Erfahrungen ist! 

Gerne teilen wir nochmals unsere Kampagneninhalte, denn wir halten daran fest!

::

Warum? Darum!

Der Journalismus ist bekanntermassen im Umbruch. Darunter leiden zu grossen Teilen jene journalistischen Textgattungen, die viel Zeit und damit auch Geld benötigen: die Reportage und das Portrait. One Day Portray will sie aufleben lassen und ihnen eine Plattform geben. Auf diesem Online-Magazin sollen ausschliesslich «Reportage-Portraits» zu lesen sein, für die der oder die Portraitierte einen ganzen Tag lang begleitet wurde. Von Menschen aus der ganzen Welt, für Menschen auf der ganzen Welt. Deshalb stellen wir all unsere Inhalte auf Deutsch, Englisch und kostenlos zur Verfügung.


Die Portraits

- Die Portraits können sowohl schriftlich, fotografisch, aber auch in Video und Audio publiziert werden

- Es handelt sich um qualitativ hochwertige Portraits, geschrieben und/oder produziert von Journalistinnen und Journalisten, Reportern und Reporterinnen

- Die portraitierte Person wird einen Tag lang begleitet — der Mensch soll in seinem natürlichen Umfeld erlebt werden, nicht in einem inszenierten Interview

- Es geht nicht um besondere Menschen, sondern darum, das Besondere im Menschen zu finden

- Unpassende Werbung? Nicht bei uns


Wie kannst du uns unterstützen bzw. mit uns arbeiten?

Entweder du entscheidest dich für eines der Goodies auf der rechten Seite und unterstützt uns damit finanziell und moralisch. Oder du wählst einen nicht-monetären Weg: Wir freuen uns, auf diesem Weg Menschen zu begegnen, die unsere Idee mittragen wollen. Du willst selber ein Portrait schreiben oder kennst eine Person, mit der wir unbedingt einen Tag verbringen müssen? Immer her damit! Du machst tolle Fotos und möchtest dein Portfolio erweitern? Einfach melden! Du bist Teil einer Organisation oder Firma, die gerne mit uns zusammenarbeiten möchte? Toll, los! Du umarmst wie ein Profi? Dann müssen wir Freunde werden. One Day Portray ist keine One-Man bzw. Two-Women-Show: Wir alle sind ein Teil davon!

::

Am 20. April 2015 um 16 Uhr - also vor genau einem Jahr - fiel der Startschuss und 45 Tage später, am 4. Juni 2015 durften wir jubeln! Und darum werden wir am 4. Juni 2016 unsere Highlights von vergangenen Jahr mit euch teilen!

Danke für alles, wir sind nach wie vor mit viel Herz dabei und glauben weiterhin an einen Journalismus, der sich Zeit nimmt!



Blogbeitrag von Sara Bagladi

Abends liege ich wach und starre an die Decke. Die erste Nacht in meiner neuen Wohnung in Budapest, wo ich ein Semester an der Uni verbringen werde, habe ich mir etwas anders vorgestellt. Meine Gedanken schlagen Saltos und ich habe die leise Vorahnung, dass ich noch lange nicht schlafen werde. Ich lasse die letzten Stunden Revue passieren.

Nach meiner Ankunft bahnte ich mir mit meinem riesigen Koffer und einem überfüllten Rucksack einen Weg durch den Bahnhof Keleti. Der Platz war nicht wieder zu erkennen: überfüllt mit Flüchtlingen, die seit Tagen auf ihre Weiterreise warteten. Ich fühlte mich wie der grösste Depp mit meinem Gepäck, während die Menschen um mich herum ihr ganzes Hab und Gut zurücklassen mussten. Einige sehen verzweifelt und müde aus. Ein anderer spielt auf der Gitarre und eine Gruppe von Flüchtlingen und Freiwilligen tanzt dazu. In einer anderen Ecke sitzt eine Freiwillige und porträtiert Kinder. Daneben versucht eine Familie auf dem Boden zu schlafen. Eine Frau will sich an den spärlich eingerichteten Sanitätsanlagen waschen. Andere demonstrieren vor dem Eingang, sie halten Pizzakartons mit Aufschriften wie «Wir wollen zu Merkel» hoch.

All die Eindrücke schwirren in meinem Kopf umher, als ich zu Hause im Bett liege. Ich hüpfe aus dem Bett, schalte meinen Laptop ein und durchforste das Internet nach ungarischen NGOS. Auf Facebook schreibe ich ein paar Freunden aus Wien, die sich aktiv für Flüchtlinge einsetzen. Jemand leitet mir den Namen und eine Nummer von einem Typen weiter, der eine NGO haben soll. Ich rufe Akos gleich an und in gebrochenem Deutsch erklärt er mir, dass sich seine Organisation «Age of Hope» normalerweise für hilfsbedürftige Frauen und Kindern einsetzt. Angesichts der Lage helfen sie momentan auch den Flüchtlingen. Wir verabreden uns für den nächsten Abend beim Bahnhof.

Aufgewühlt schlüpfe ich wieder unter die Decke und schlafe irgendwann ein. Wenn ich gewusst hätte, was in den nächsten Monaten passieren wird, hätte ich vor Aufregung bestimmt kein Auge zugetan.

Am nächsten Abend wird mich Akos nämlich zu seiner persönlichen Assistentin erküren. Er wird mir im Laufe der nächsten zwei Monate die Arbeit seiner Organisation zeigen und mir viele spannende Menschen aus Ungarn vorstellen, die sich seit Monaten für Flüchtlinge einsetzen. Er wird mich beispielsweise in einen Club von Anarchisten mitnehmen, die in ihrem Quartier Schlafplätze für Menschen auf der Flucht eingerichtet haben. Dort lerne ich Menschen aus der Ukraine, Syrien, Iran, Irak, Eritrea und Afghanistan kennen. Sie erzählen mir von ihrer Flucht, ihren Ängsten und Träumen. An einem anderen Tag spielt die ungarische Fussballmannschaft und Hooligans haben angekündigt, auf Prügeltour zu gehen. Wir gehen in die umliegenden Parks, wo viele Flüchtlinge schlafen, um sie zu warnen. Einmal gehe ich zum Bahnhof, nachdem die meisten Flüchtlinge schon abgereist sind und es von Freiwilligen nur so wimmelt. Als ich mit einem kleinen Mädchen aus Syrien spiele, denken andere Freiwillige, dass ich ihre Mutter bin. Sie überhäufen mich mit Socken (ich bin barfuss in meinen Schuhen), Windeln, Schokolade und Sandwiches. Meine Rufe «I’m not a refugee» gehen unter. Die Situation ist so absurd, dass ich laut lachen muss. Ich werde mit Akos ausserdem auch auf einige Reisen gehen.

Wir werden Mitte September nach Wien fahren, um gesammelte Spenden abzuholen. Dort warten schon Journalisten, die Akos zu der Situation in Ungarn interviewen möchten. Doch da ich ja nun seine Assistentin bin und er keine Interviews mag, schiebt mich Akos einfach vor die Kamera von ORF und ZDF. Etwas verdattert beantworte ich ihre Fragen. Ein Wochenende später ist Akos Ehrengast an einem Charity-Ball der Universität ELTE, die das gesammelte Geld an «Age of Hope» spendet. Wir ergattern beim Tombola-Spiel so viele Geschenke, dass wir nicht genug Taschen haben, um die ganzen Gewinne nach Hause zu tragen.

Ja, es liegen absurde, spannende, traurige, amüsante und eindrückliche Momente vor mir! Doch von alldem habe ich in meiner ersten Nacht in Budapest noch keinen blassen Schimmer. Sagt man nicht, dass die Träume der ersten Nacht an einem Ort in Erfüllung gehen? Vielleicht träume ich ja gerade, wie ich mit «Age of Hope» in die ungarische Stadt Zakany fahren werde im Oktober. Was dort genau passiert, kannst du hier im Portrait lesen.